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Tagestrip nach Afrika

 

Welcher kleine Junge träumt nicht davon, einem Berufspiloten mal einen Tag lang über die Schulter zu schauen und im Cockpit eines großen Ferienfliegers mitzufliegen.
Kaum dass ich mit knapp 36 Jahren so gerade eben kein ganz kleiner Junge mehr bin, wurde mir dieser Traum nun erfüllt.

Ich vor dem kleinen Motörchen

Dank meiner Mitgliedschaft im LSC Condor und der damit verbundenen Bekanntschaft zu unserem lieben Fluglehrer Klaus, der neben seiner Haupttätigkeit als Segelflieger auch als Kapitän einer Boeing 757 fungiert ;-), durfte ich gestern einen Tagesausflug nach Lanzarote und Marokko unternehmen – und zwar im Cockpit!

Klaus an seinem Arbeitsplatz über den Wolken

Nachdem ich Klaus mit meiner bescheidenen Familienkutsche in aller Frühe an seinem Ostholsteiner Domizil abgeholt hatte, ging es direkt zum Airport Hamburg.
Da wir spät dran waren, musste Klaus das Crew-Briefing ohne mich abhalten (ging wohl auch…), während ich mich selbst auf die Maschine eincheckte.

Mit meiner Cockpit-Zugangsberechtigung und einem breiten Grinsen ausgestattet führte Klaus mich an der langen Schlange von Fluggästen vorbei direkt ins Cockpit der „OH“ – einer Boeing 757.
Hier lernte ich den netten Copiloten Aiken kennen, der sich und die Maschine konzentriert auf den Abflug vorbereitete.

Gemeinsam mit Klaus ging’s dann noch mal unter den Rumpf des Riesenvogels, zum so genannten walk around.
Nachdem auch ich mich mit dem technischen Zustand der Maschine abfinden konnte, traten wir wieder den Aufstieg ins Cockpit an.

Bald nach Klärung der Kaffeefrage bestellte Klaus den Pushback.
Wie von Geisterhand wurden die schlappen 116 Tonnen unseres Blechvogels angehoben und  zum Abflug auf der 23 bereitgestellt.
Mein Einwand hinsichtlich des hohen Gewichts wurde mit einem milden Lächeln der beiden Piloten zur Kenntnis genommen.
Gewisse Dinge kann man sich als Schönwetter-Pilot eines 0,7 Tonnen schweren Sportfliegers eben erst nach einer kleinen Gewöhnungsphase vorstellen…..

Cockpit der 757

Die enorme Schubkraft der beiden Triebwerke, die man vom Cockpit aus nicht sieht und auch kaum hört, beschleunigten die Maschine auf die Startgeschwindigkeit von gut 160 Knoten (ca. 300 Km/h).
Klaus erklärte noch, dass die Triebwerke so viel Schub erzeugen, dass sie die Maschine sogar mit blockierten Rädern beschleunigen würden.
Aiken brachte den Vogel auf Kurs und schaltete auch bald den vorprogrammierten Autopiloten ein, der von da an fast alles Weitere übernahm.

Mein Eindruck, dass man als Pilot einer solchen Maschine nicht viel zu hat, erwies sich bei genauerem Hinsehen natürlich als falsch.
Die beiden Piloten brieften sich ständig gegenseitig und hatten angesichts der enormen Verantwortung doch eine Menge zu bedenken und zu berücksichtigen.

Knappe 4,5 Stunden, einer Aluschale mit Astronautennahrung (oder sowas) und einiger Starbucks-Lieferungen später erkannte ich unter mir mein Ferienhotel von 1999 auf Fuerte.
Klaus und Aiken waren glücklicher Weise wieder aufgewacht und konfigurierten nun die Maschine für die Landung auf Lanzarote.
Souverän setzte Aiken den Vogel auf die Runway 23 und brachte uns in die Parkposition.

Wie eine Horde Insekten machte sich die fleißige Groundcrew daran, alle erforderlichen Arbeiten an der Maschine zu erledigen.
Klaus und ich gingen kurz ein wenig Kanarenluft schnuppern und überwachten den Tankvorgang vom Boden aus.

Das enge Zeitfenster zum Wieder-Abflug (Slot) hielten wir erstaunlicher Weise ein und begaben uns mit frischen Passagieren (262 an der Zahl) wieder in Richtung Rollhalt.
Nun übernahm Klaus das Ruder und steuerte uns in Richtung Africa.

Nach knapp 50 Minuten war Agadir erreicht.
Zwischen zahlreichen Privatjets von irgendwelchen Scheichs fanden wir ein Plätzchen, wo wir das gleiche Procedere wie zuvor auf Lanzarote abspulen konnten.

Kurz nach dem Weiterflug in Richtung Hamburg wurde mir bewusst, dass es zu Hause längst dunkel ist.
Und so flogen wir mit über 1000 Km/h Groundspeed der Dunkelheit entgegen.

Beeindruckend waren die Überflüge über Paris und Amsterdam, von wo aus man auch die Lichter von London sehen konnte.

Wie so oft, kam aber das Beste zum Schluss.
Nein, nicht das Essen, sondern der Anflug auf Hamburg bei Nacht. Gegen 21:30 Uhr setzte Klaus die Maschine wieder auf der bunt beleuchteten 23 in Hamburg auf und rollte über die  Taxiways in Richtung Parkposition.

Nach einer kurzen Übergabe der Maschine an den Techniker war der Arbeitstag für die Crew dann auch beendet.

 

Alles in allem war es für mich ein hochinteressanter Ausflug.
Mein besonderer Dank gilt natürlich in erster Linie Klaus, aber auch dem Copiloten Aiken, sowie dem Rest der Crew!

Von der  Nachtlandung in Hamburg war ich so beeindruckt, dass bei der Bedienung meiner Kamera wohl einen Fehler gemacht habe - dieses Video ist weg….shit!
Ein letztes Bild ist mir dann aber noch gelungen.

 

17.11.09 - Lars Nindel

Aktualisiert ( Dienstag, 24. November 2009 um 13:06 Uhr )